Netzibodenstrasse 16, 4133 Pratteln
Pratteln, 23. Oktober 2026. Mit dem heutigen Spatenstich beginnt die ARA Rhein die Realisierung ihrer vierten Reinigungsstufe. Die neue Anlage kombiniert eine Polstofffiltration mit einer Behandlung durch granulierte Aktivkohle. Damit wird das bereits biologisch gereinigte Industrieabwasser zusätzlich behandelt, bevor es in den Rhein zurückgeführt wird.
Die ARA Rhein reinigt das industrielle Abwasser bereits heute mit bewährten Verfahren. Das gereinigte Wasser erfüllt die geltenden gesetzlichen Anforderungen. Die vierte Reinigungsstufe ergänzt die bestehende Abwasserbehandlung um einen zusätzlichen Verfahrensschritt zur Entfernung biologisch schwer abbaubarer organischer Stoffe.
Ziel des Projekts ist es, den nach der biologischen Reinigung verbleibenden biologisch schwer abbaubaren organischen Kohlenstoff deutlich zu reduzieren. Die Anlage wird für eine hydraulische Kapazität von rund 6'000 Kubikmetern Industrieabwasser pro Tag ausgelegt. Fünf parallel angeordnete Behandlungsstrassen ermöglichen einen modularen und permanenten Betrieb.
«Mit der vierten Reinigungsstufe ergänzen wir unsere bestehende Abwasserbehandlung gezielt um die Entfernung von biologisch schwer abbaubaren Stoffen. Bereits heute übertrifft die ARA Rhein die für 2040 gesetzten Ziele des internationalen Abkommen zum Schutz des Rheins deutlich und leistet mit diesem Projekt einen weiteren, grossen Beitrag zum Schutz des Rheins», sagt Thomas Güttinger, Geschäftsführer der ARA Rhein AG.
Polstofffiltration und granulierte Aktivkohle
Die neue Anlage verbindet zwei aufeinander abgestimmte Verfahren. In einem ersten Schritt hält die Polstofffiltration verbliebene Schwebstoffe zurück. Dadurch werden geeignete Voraussetzungen für die anschliessende Behandlung mit granulierter Aktivkohle geschaffen.
Die Aktivkohle wirkt durch Adsorption. Dabei lagern sich schwer abbaubare organische Stoffe an der grossen inneren Oberfläche der Kohle an und werden dadurch aus dem Wasser entfernt. Das biologisch gereinigte Industrieabwasser durchläuft damit eine zusätzliche Reinigungsstufe vor der Rückführung in den Rhein. Die beladene Kohle wird in einem Recyclingverfahren extern reaktiviert und damit zurückgewonnen. Sie kann danach wieder eingesetzt werden (Kreislaufwirtschaft).
Pilotversuche als Grundlage für die Auslegung
Für die Auslegung der Anlage führte die ARA Rhein umfangreiche Pilotversuche durch. Das Vorhaben geht deutlich über den Stand der Technik hinaus. Untersucht wurden verschiedene Aktivkohlen sowie das Zusammenspiel der Parameter für die Auslegung und den Betrieb der Anlage. Die Versuche bestätigten die grundsätzliche Eignung des Verfahrens und lieferten wichtige Erkenntnisse für einen erweiterten Stand der Technik.
Investitionsvolumen von über 15 Millionen Franken
Der Verwaltungsrat der ARA Rhein hat für das Projekt eine Gesamtinvestition von über 15 Millionen Schweizer Franken genehmigt. Die neue Anlage entsteht in einer rund 70 Meter langen und 18 Meter breiten Leichtbauhalle. Das Dach wird für die nachfolgende Installation einer Photovoltaikanlage vorbereitet.
Nach Abschluss der Bau- und Montagearbeiten folgen Tests und die schrittweise Inbetriebnahme mit Industrieabwasser. Die Übergabe in den regulären Betrieb ist im Jahr 2028 vorgesehen.
Mit der neuen Anlage erweitert die ARA Rhein ihre Infrastruktur zur Behandlung industrieller Abwässer um eine vierte Reinigungsstufe. Diese ergänzt die bestehenden Verfahren um einen zusätzlichen Schritt zur Entfernung biologisch schwer abbaubarer Stoffe und stärkt damit den Schutz der Gewässer.
«Die vierte Reinigungsstufe ist ein wichtiger Beitrag an den Gewässer- und Umweltschutz. Die Investition erfordert jedoch erhebliche finanzielle Mittel und führt zu dauerhaft höheren Betriebskosten für die angeschlossenen Unternehmen. Sie kommt zu einem wirtschaftlich denkbar schwierigen Zeitpunkt: Die produzierende Industrie steht unter hohem Wettbewerbs- und Kostendruck, während die regulatorischen Anforderungen weiter zunehmen. Dass die Unternehmen und Aktionäre der ARA Rhein dieses Projekt dennoch gemeinsam tragen, ist ein klares Bekenntnis zum Umweltschutz und zum Produktionsstandort Schweiz. Zugleich braucht es verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, damit produzierende Unternehmen auch künftig in der Schweiz investieren können», sagt Urs Zimmerli, Verwaltungsratspräsident der ARA Rhein.
Über die ARA Rhein AG
Die ARA Rhein reinigt das kommunale Abwasser der Gemeinden Pratteln, Augst, Kaiseraugst, Giebenach, Arisdorf und Olsberg sowie industrielles Abwasser aus chemisch-pharmazeutischen Betrieben der Region. Nach der Behandlung wird das gereinigte Wasser in den Rhein zurückgeführt. Daneben übernimmt die ARA Rhein die Behandlung von Spezialabwässern und Klärschlämmen aus kommunalen und industriellen Anlagen der Region und hilft Partneranlagen in der ganzen Schweiz im Bedarfsfall aus.